Ursprünge der Pflanzenmedizin und ihr Einsatz als Hausmittel
Schon in der Frühgeschichte der Menschheit gab es verschiedene, wenn auch nur begrenzte Möglichkeiten zur Behandlung von Verletzungen und Krankheiten mit Hausmittel. Man machte für auftretende Erkrankungen übernatürliche Mächte verantwortlich, und zur Behandlung gehörten auch die Magie, Musik, Gebete und Beschwörungen ebenso wie Eingriffe mit primitiven Hilfsmitteln und die Verordnung von Diät, frischer Luft und Bewegung sowie die innere und äußere Anwendung von aus Pflanzenwirkstoffen bestehenden Hausmitteln.
Etwa um 500 vor Christus trat an die Stelle abergläubischer Vorstellungen von Krankheitsursachen die Vorstellungen vom Ungleichgewicht der Energie im Körper, dessen Störung Krankheiten auslöse. Diese Ansicht änderte jedoch nichts an der therapeutischen Anwendung von Heilpflanzen die Pflanzenmedizin entwickelte sich sogar zur wichtigsten Behandlungsmethode, denn man sah in ihr das Mittel, Gleichgewicht und Harmonie im Körper wiederherzustellen. Auf dieser Grundlage entwickelten sich rund um den Erdball verschiedene Heilverfahren, dazugehören das indische Ayurveda, die chinesische Medizin, Heilmethoden der Ureinwohner des amerikanischen Kontinents und die Volksmedizin in den Ländern Europas. Jedes Land, jede Kultur begründete eine eigene Tradition mithilfe einheimischer Heilpflanzen, den sogenannten Hausmitteln.
Während das uralte heilkundliche Wissen in Indien und China noch heute benutzt wird, entfernte man sich in Europa nach und nach von der Vorstellung des Ausgleichs der Energien im Körper. Im 16. Jahrhundert begann die europäische Kultur auf die neue Welt überzugreifen, und mit ihr hielt auch westliche Medizin in diesen Ländern Einzug, und beeinflusste die dort ausgeübten Heilmethoden. In China allerdings behauptete die Naturmedizin ihre Stellung neben den modernen Methoden und wurde als gleichberechtigt angesehen, aber anderen Orts hat man „Buschmedizin“ ignoriert, belächelt oder als politisch gefährlich verteufelt. Heiler und weise Frauen, die über wertvolles Wissen verfügten, wurden geächtet und verfolgt.
Geschichte der Hausmittel in China
Das älteste chinesische medizinische Traktat ist der „Kanon des gelben Kaisers innere Medizin“, dass nach etwa 3000 Jahren auch heute noch zurate gezogen wird. Die traditionelle chinesische Heilkunde beruht aus den fünf Elementen Holz, Wasser, Feuer, Erde und Metall. Sie unterscheiden sich von der im Mittelalter in Europa entwickelten Vorstellung von den Elementen darin, dass sie energetisch miteinander verbunden sind und sich in ständigem Wandel befinden. Jedes Element steht mit einem oder mehreren Organen, einem Gefühl, einem Geschmack und einer Jahreszeit in Beziehung. So ist zum Beispiel das Element Erde den Magen und der Milz, dem Gefühl Besorgnis, der Jahreszeit Frühling und dem Geschmack süß zugeordnet. Ein Tonikum für dieses Element wäre die Süßholzwurzel, die wärmt und nähert und auch heute noch in China als Hausmittel eingesetzt wird.
Geschichte der Hausmittel in Indien
die Ursprünge des Ayurveda wiederum liegen mehrere tausend Jahre zurück. Es ist einer auf pflanzlicher Basis aufbauende, ganzheitliche Medizinlehre. Der aus dem Sanskrit stammende Begriff bedeutet Leben und Wissen. Es ist keine Heilkunde im westlichen Sinne, sondern eine Lebensanschauung auf philosophisch-spiritueller Grundlage, bei der es darum geht, zur Erhaltung der Gesundheit die Einheit von Körper, Geist und Seele zu wahren. Für die Ausgewogenheit sorgen drei so genannte Doshas: Vata (Luft), Pitta (Feuer) und Kapha (Wasser). Das dominierende Dosha gibt Aufschluss über die Konstitution einer Person. Bevor der Heilpraktiker eine Diagnose erstellt, wird er die Doshas analysieren. Zur Therapie gehören Pflanzen und Nahrungsmittel, Fasten, spirituelle Übungen und Atemübungen. Empfohlen werden beispielsweise Yoga oder sexuelle Betätigung oder die Abstinenz um Ungleichgewichte zu beseitigen.
Hausmittel in Nordamerika
Bei vielen Indianerstämmen Nordamerikas waren die Priester oder Schamanen zugleich Medizinmänner. Nur sie hatten Einfluss auf die bösen und guten Geister, die die Welt bevölkerten, und nur sie allein verfügten über die Kraft zu heilen, indem sie sich in Trance versetzten. Trommeln, Rasseln, Tänze, Kräuter und heilige Pflanzen-manchmal auch eine Trancezustände fördernde Sauna gehörten ebenfalls zum Ritus. Bei dieser Sauna handelte es sich ein besonderes Zelt, das stark aufgeheizt wurde in dem die Reinigungs- zeremonien-geistiger und körperlicher Art- stattfanden. Es war ebenfalls Brauch, getrocknete Kräuter zu verbrennen um die Krankheiten auszuräuchern und der Patient musste sich in die Rauchschwaden stellen, und man blies ihm den Rauch auf den nackten Körper.
Europa und ihre Hausmittel
Die abendländische Pflanzenmedizin hat eine lange und ansehnliche, wenn auch turbulente Geschichte. Einerseits kann man sie sich als eine sich allmählich entwickelnde Wissenschaft betrachten, wobei jede Epoche auf dem medizinischen Errungenschaften der vorhergehenden aufbaute, andererseits als ein schlichtes, auf der Volkstradition fußendes Heilverfahren, das sich zeitweise zu einer Gefahr für die Schulmedizin entwickeln drohte.
Der griechische Arzt Hippokrates wird als Vater der modernen Heilkunde verehrt. Er schloss alle gesundheitsfördernden Faktoren, auch das Wetter, in seine Überlegungen ein und verordnete gesunde Ernährung, Hygiene und Kräuter. Im Jahr 100 n. Chr. stellte Pedianos Dioskurides den ersten abendländischen Katalog der Arzneipflanzen zusammen.
Galen war ein griechischer Feldscher, der bei der Truppe im Feld praktische Erfahrungen sammelte. Er begründete das System von den Temperamenten oder Körpersäften das auch als Galenismus bekannt ist. Während der Kreuzzüge lernten die Europäer die Aufzeichnungen des arabischen Arztes Avicenna kennen. Sein medizinischer Kanon lieferte neue Anregungen, die sich im Mittelalter von der ersten medizinischen Fakultät in Salerno nach ganz Europa verbreiteten. Eine der bekanntesten Pflanzenheilkundlerinnen und Lehrerinnen von Haumitteln der damaligen Zeit war die Nonne Hildegard von Bingen. Sie übte die Heilkunst in einer sehr ganzheitlich ausgerichteten Weise aus, indem sie Musik, Meditation, Ernährung, Heilpflanzen und Gebete gleichermaßen einsetzte. Der englische Arzt und Astrologe Nicolas Culpepper vertrat die Überzeugung, dass jedermann, auch das einfache Volk, ein Recht auf Gesundheit habe. Den einheimischen Apothekern war er ein Dorn im Auge, als er verkündete, einheimische Pflanzen sein ebenso gut, wenn nicht bisweilen besser als die teuren Importe. Nicolas Culpeppers Kräuterbibel lieferte genaue Anleitungen zum Auffinden von Pflanzen und ihre Zubereitung für den medizinischen Gebrauch, sowie Empfehlungen für die Anwendung bei bestimmten Erkrankungen. Auch Samuel Johnson, lernte schon als Kind, wie die nordamerikanischen Indianerstämme Arzneipflanzen gebrauchten und welche Heilmethoden sie befolgten. Er entwickelte ein System der botanischen Medizin und schrieb darüber mehrere Fachbücher Ende der 1830er Jahre hatte er Millionen von Anhängern, aber die Popularität der seiner gelehrten Haumittel rief die orthodoxen Mediziner auf die Barrikaden und führte zu heftigem Streit. Dr. Coffin, der auf der Seite von Thompson stand, hatte von den Streitigkeiten genug, packte seine Arzneikoffer und reiste nach Europa, wo er sich im Norden Englands niederließ, eine Praxis eröffnete und Lehranstalten gründete. Mithilfe der aus Amerika mitgebrachten Samen ergänzte er die europäischen Arzneimittelkataloge um eine Reihe nordamerikanischer Pflanzenheilmittel. Diese wurden als Hausmittel von 1864 an der National Association of Medical Herbalists gelehrt.
Das Wissen über anzuwendende Pflanzen als Hausmittel wird seit vorgeschichtlicher Zeit ohne Unterbrechung praktiziert. Das so entstandene enorme Wissen und jahrtausendealte Erfahrungen reichen in viele Bereiche der Wissenschaft hinein. Praktische Pflanzenmedizin setzt eine fundierte Kenntnis der Pflanzen, des Menschen und seiner Krankheiten voraus. In der Anwendung von Hausmitteln verbinden sich die Erfahrungen vieler theoretischer und angewandter Wissenschaften, wie der Anatomie, der Chemie, der Biologie, der Pharmakologie, der Pathologie und der Psychologie.
Einfach und doch sehr komplex sind Hausmittel.
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